Sguardo nei processi di lavorazione

Aguilas – April und Mai 1998

Ich befinde mich in meinem Atelierhaus in Aguilas (Spanien) und versuche, meinem künstlerischen Lebenslauf nachzuspüren. Bald bin ich im 80. Lebensjahr und möchte Daten, Erinnerungen und Erlebnisse mitteilen, die mit der Entstehung meines Werkes verbunden sind. Begebenheiten, die einmal in Aguilas, mal in der Schweiz, mal in Verscio (Ticino) hinund herpendeln, wie es sich in etwa auch zugetragen hat.

Zuerst möchte ich aber auf meine Kinderjahre zurückgreifen, die doch einiges in meinem späteren Künstlerleben aufdecken.

Kinderjahre:

Nach zwei Bergaufenthalten in einem Pro Juventute Haus – ich war ein- und zweijährig – brachte man mich nach Zürich in ein Kinderheim. Während fünf langer Jahre wurde ich dort von Töchtern versorgt, die als Kinderpflegerinnen ausgebildet und alle drei Monate, von einem Tag auf den andern, ausgewechselt wurden. Als drei- bis siebenjähriges Kind erlebte ich Abschiede und Bekanntschaften in Hautnähe kennen, eine ständig sich wiederholende Stress-Situation, die sich nur aus der Notlage meiner Mutter rechtfertigen liess. Ein ebenso ständiger Wechsel fand auch unter den Kindern statt, die für wenige Wochen oder Monate im Heim bleiben konnten. Die Erziehungsmethoden waren minimal, sie beschränkten sich auf straffe Ordnung und schlossen Unvorhergesehenes aus.

In dieser Öde fanden sich doch auch Ausnahmen, die mich beeindruckten.

Da war ein grosses Buch, das wir anschauen durften, wenn die grösseren Kinder der Arztfamiilie Dr. med. Hoppeler dabei waren. Ganzseitige Stiche bebilderten Bibeltexte in einer für mich überwältigenden Weise. Da war ein vom Sturm aufgeblähtes Segel, das dem Schiff die Kraft verlieh, hohe Wellen zu durchbrechen. Da sah man einen starken Mann, der mit seiner Muskelkraft die Säulen eines Tempels zertrümmerte. Ein Riesenwal war abgebildet, aus dessen Rachen ein Mensch ans Ufer kam. Da waren Sonnen und Sterne, auch Gewitter mit fernen Regenbogen. Das alles beflügelte meine kinderphantasie und weckte Ahnungen für eine in mir noch schlummernde geheimnisvolle Welt. Die Bilder waren so fesselnd, dass ich hoffte, leider vergeblich, wieder einmal in das Buch blicken zu dürfen. Einmal schlich ich ins verbotene Bibliothekszimmer. Ich verschob schwere Glaswände, nahm dicke Bücher und legte sie auf den Tisch und blätterte von Bild zu Bild. Bevor ich je einen Löwen, einen Elefanten oder eine Giraffe in Wirklichkeit gesehen hatte, kannte ich diese Tiere aus dem Tierlexikon. Was damals verboten schien, dennoch als Bereicherung aus Büchern mich beschäftigte, bahnte sich den Weg zur Anerkennung und in die Freiheit. Schon als kleiner Knirps, zeichnete ich mit weisser Kreide und so gross wie möglich in unbe obachteter Stunde meine Kenntnisse im Lehr- und Speisesaal auf die grosse schwarze Wandtafel auf, mit angeschobenem Stuhl, um die Tierdarstellungen in die Mitte der Tafel zu bringen. Zu gegebener Stunde sahen die Lehrtöchter, die ganze erwachsene Belegschaft sowie die Arztfamilie den Löwen und den Elefanten auf die Tafel gezeichnet. So wurde ich ein “Künstler” genannt, der aus seiner Erinnerung zeichnen konnte, noch nicht wissend, wie gross die Tiere im Zoo wirklich waren.

Dr. Hoppeler beehrte gelegentlich die Zeichnungen mit einem spontan gedichteten Spruch. Mit sieben Jahren portraitierte ich Personen, die mir lieb geworden und die für immer das Haus verliessen. Darum war mir die Ähnlichkeit wichtig. So gelangen erstaunliche Profile, deren Wert dem Ersatz für bleibenden menschlichen Kontakt dienten. Damals und besonders in diesem Heim, kannte man keine Farbtöpfe, grosse Pinsel und Papiere, auf denen man farbenfroh aus kindlicher Empfindung hätte malen können. Aber die Geduld und Konzentrationsfähigkeit in den jungen Jahren erstaunten die Erwachsenen, ohne dass sie ahnen konnten, was mich trieb und was mir mangelte.

Ich bemühte mich innigst etwas festzuhalten, was mir lieb und vertraut geworden war.

In kurzen Worten möchte ich einige Persönlichkeiten erwähnen, die in den Jugendjahren nachhaltig auf mich einwirkten:

Der Kunstpädagoge und Fotograf M.P. Linck. Der Maler F.Bernegger, der Mediziner und Maler Dr. med. H. Jenny – er entwickelte die Kladnischen Klangfiguren mit modernen Mitteln weiter. Die Malerin Frau Faye Englert. Sie förderte schon damals während meiner Primarschuljahre das Freie Malen, genannt “Farbenbilder”. Dann Frau Lobeck, sie wirkte allgemein sensibilisierend auf meinen Werdegang, vor allem im Bewegungsbereich. Ein Inspirator besonderer Art, für malerische Werte, war der Maler Albert Pfister. Er besuchte mich in Verscio während einigen Jahren und verzauberte die Tage in eigener Malersprache, auf die wesentlichen Aspekte der Farben hinweisend.

Art und Dauer solcher Beziehungen wie Arbeitsperioden sollen hier nur schätzungsweise genannt sein:

Bergaufenthalt 2 Jahre, aus gesundheitlichen Gründen. Im Kinderheim 5 Jahre, Aufnahme in einer Familie 5 Jahre. Bei meiner Mutter ab 12 jährig für 3 Jahre. Städtisches Lehrlingsheim 4 Jahre. In Brotberufen mehr oder weniger selbständig ca. 12 Jahre lang. Nach kunstgewerblicher Tätigkeit und der Erstellung von Architekturlampen, etwa 4 Jahre in Spanien 1953-1958. Danach viele Studienaufenthalte in Aguilas. Während 15 Jahren bearbeitete ich Kupfer. Das emsig gepflegte Zeichnen und Malen vermochte dem körperlichen Leistungsdrang nicht genügen, sodass Modellieren, Konstruieren und Giessen viel Zeit beanspruchten.

Im 1961 Begegnung mit der Malerin Verena Anderegg, aus der unsere Lebensgemeinschaft erwuchs. Als künstlerische Partner haben gemeinsames Erleben und Dialoge das menschliche Wachsen geprägt. Der Aufbau ihres eigenen Ateliers in Verscio begann 1971. Verenas Malkurse wurden hier für viele Kunstinteressierte wegweisend.

Nun bin ich im Atelier, Mai 1998, das ich im 1954 in Aguilas erwerben konnte.

Damals begann für mich ein neues Leben. Ich schrieb Träume auf und malte. Um kulturelle Belange wie Museen und Sehenswürdigkeiten kümmerte ich mich kaum. Aber ich fühlte mich auf persönlicher Ebene in die spanische Landschaft und die Menschen ein. Dadurch erfuhr ich die eigene Tiefe und ich lotete sie aus. Der einfache ursprüngliche Lebensstil, die direkte Ausdrucksform der meist in Armut lebenden Menschen, kamen meiner inneren Verfassung entgegen. Es bewegte und beschäftigte mich das südliche Licht, was in den Aquarellen von 1953-195$ zum Ausdruck kam. Ich hielt mich an die Naturanschauung und pflegte die Schule des Sehens, die komponierte ich frei, wobei die Bildaufteilung und Inhaltssteigerung aus langer malerischer Erfahrung Höhepunkte erreichte. Die Grundhaltung, Schüler vor der Natur, war mir über Jahre hindurch nüchterne Konzentrationsübung, eine Form von meditativer Hinwendung, die ich täglich pflegte, ohne mir dabei etwas Besonderes vorzumachen. Ich fröhnte keinem “Ismus”, wohlwissend, dass die “Moderne” verlockende Perspektiven eröffnet hatte. Mein Anliegen war mein “Rätsel in mir” und die Bedingtheit meiner Umgebung. Ich schrieb alle Träume auf, so treu, wie ich täglich aquarellierte. Die Traumrealität wie die Tagesrealität wurden mir gleichbedeutend, so dass eine besondere Bewusstseinsebene beide Daseinsformen verband.

Im 1988 zeichnete ich vorwiegend mit Feder und Tusche auf weisses Papier. Die Gedanken über Punkt, Linie und Schraffur, über das Dunkle und das Lichte beim Betrachten der Natur und der Übertragung auf den weissen Grund, das Papier, formulierte ich folgende Sätze: Die Linie bezeichnet die Stelle, wo Licht und Schatten um den Gegenstand kämpfen. Schraffur bezeichnet relative Dunkelheit, Punkte relatives Licht. Wo nur Dunkelheit oder Licht ist, existiert weder Punkt noch Linie. Zeichen setzen heisst Mächte bannen, die aus dem Dunkel und aus dem Hellen kommen und Gestalt annehmen wollen. So beschwören Punkte und Linien Geister.

Hier fällt mir eine Begegnung ein, die im 1949 in Paris stattfand. Ich sass auf einer Mauer, öffnete den Zeichenblock und wollte beginnen, als ein dunkelhäutiger Afrikaner herbeikam und neben mir stehen blieb. Es stockte in mir, ich konnte nicht beginnen, das Papier blieb unberührt weiss. Daraufhin sagte der Schwarze einfach: “Ich will den ersten Strich sehen, danach gehe ich weiter”. Und so geschah es! Wortlos ging er, und der ERSTE STRICH bekam für mich eine vertiefte Bedeutung.

Später, wiederum in Aguilas (1969), modellierte ich Tonerde und konnte die Reliefs in der damaligen Backsteinfabrik brennen lassen. Die Hitze in den Backöfen wurde durch das Verbrennen von Unmengen der Mandelhülsen erzeugt, und in der Mitte eines grossen Ofens unter tausenden von Backsteinen brannte man das Relief “Concierto de atardecer”. Diese Arbeit hängt noch heute im Atelierhaus in Aguilas (1998). . Es waren unzählige von Spatzen, die in der Dämmerung im Park Glorieta in den Riesenbäumen nisteten und ihr Nachtlager einsangen. Das war für den Horcher die abendliche “Dusche” und es hallte wie ein Konzert, das auf ein Zeichen der Natur plötzlich verstummte. Dann wurde es dunkel unter den Baumriesen und die Nacht brach ein. Das Relief erinnert mich an jene Zeit, die noch den Zauber der schöpferischen Armut kannte. Denn das, was damals 1953 von der im Elend vergessenen und ärmsten Bewohnern als improvisierte Hilfsmittel geschaffen wurden, um das Notdüftigste des Tages zu bewältigen, war erstaunlich und könnte heute noch als künstlerische Kreationen in Museen gezeigt werden.

Mit den Jahren starben die noch aus früheren Zeiten stammenden Handwerkstätigkeiten vollständig aus. Ich erwähne die Töpferei, den Lehm, seine Verarbeitung und das Brennen, die kugelförmigen Holzbrennöfen, die Gips und Kalkbrennereien in Familienbetrieben und die vielfältige Espartoindustrie, die mehrere Berufsformen umfasste und das Städtchen prägend belebte.

1958 meldete ich mich in Verscio zurück, auch wenn es mich immer wieder nach Aguilas zog, wo Tonerde und Gips die Materialien meiner Formenentwicklung waren. Diese Arbeiten sind seit dem 13.12.96 bei Paco Montalban (privat) deponiert.

Jahre später – im November 1993 – war meine Ausstellung im Centro Cultural Francisco Rabal in Aguilas. In anschaulicher Weise beschrieb Verena Anderegg das Unternehmen. Es umfasste Tuschzeichnungen, Aquarelle, Cubo-Konzepte und Tonskulpturen. Dokumentiert waren die Illustrationen für das Buch “Teoria del sureste” von Eugenio Martinez Pastor. Cartagena-Alicante-Almeria.

Bevor ich ein Haus in Aguilas fand, hielt ich mich öfters in Cartagena auf. Don Vicente Ros, Meister der Malerei, betrieb ein offenes Atelier, wo sich Künstler jeder Sparte trafen. Hier im Zentrum von Cartagena war die Kunstschule für Anfänger und Fortgeschrittene und war Treffpunkt für allerlei Gespräche. Ich durchkreuzte die Stadt und die Umgebung, begegnete Carrido Tilves in seiner kleinen Freiluftbar, welche ein Magnet der Ärmsten war. Im und unterhalb der “Castillo”-Mauern wohnten noch Fischer und Zigeunerfamilien in Höhlenwohnungen über dem Marinehafen. Die Gegend nannte man Santa Lucia. Als Republikaner hatte Carrido ein totales Arbeitsverbot, durch seine starke Persönlichkeit brachte er es dennoch fertig, im Verborgenen seine Fäden zu ziehen. Hier bemalte ich die Mauer, welche Carrido als Rückwand für seine Bar benützte, betitelt El Jardin de Rosa. Durch meine Vermittlung wurde die Bar mit der Wandmalerei und Carrido Tilves unter den reicheren Herren der Stadt bekannt. Diese ermöglichten ihm, im nobleren Stadtviertel ein Restaurante “Bahia” zu eröffnen. Die Wandmalerei aber bröckelte in Wind und Wetter an der verlassenen Stelle in wenigen Jahren ab.

In der damaligen Illustrierten La Hora Nr. 21, Madrid 29. de Noviembre de 1956, erschien unter dem Titel: “El arte se hace social” in Bild und Text meine Wandmalerei. Kurioserweise erschien im selben Blatt der 87jährige amerikanischen Architekt Frank Lloyd Wright. Gleich vergänglich war meine zweite Wandmalerei in der Bar “Los mariscos” in Aguilas, im Jahre 1956-1958, die bei Renovationsarbeiten zerstört wurde.

Zurück in die Schweiz: .

1989 Freunde boten mir die Gelegenheit, eine grössere Skulptur zu kreieren. Ganz im Sinne des “Anfängergeistes” versuchte ich mit dem Risiko auf nicht vorhergesehene Schwierigkeiten, die Spontaneität während des Arbeitsprozesses bewahren. Als Vorstufe für dieses Werk in Kupfer, begann ich während zweier Jahre in Tonerde kleinformatig, teils in Aguilas teils in Verscio zu modellieren. Diese mannigfachen Ansätze gediehen bis zu einem Meter Höhe. Als Kleinplastiken brannte ich einige in Aguilas mit Holz, in leeren Ölfässern, ausgepolstert mit Aluwatte, um die Hitze von 900 Grad zu erreichen. Diese Vorbereitung im Aufbauen mit Lehmwürstchen, wie afrikanische Wassergefässe, war mir Einübung, um später die Gross-Skulptur in Kupferrohren durchführen zu können.

Ein Jahr dauerte die Fertigstellung bei Dr. med. Eschmann in Bisikon, wo die Skulptur Uroboros noch heute steht. Sie konnte am 30. Juni 1990 eingeweiht werden.

Sinn und Zweck war das Arbeiten am Ort, am Waldrand, am Teich des Gartens und eben nicht im Atelier und ohne ein Modell zu kopieren. Die Bezeichnung UROBOROS war kein Vorwand, um die Skulptur zu machen. Vielmehr gebar sich Uroboros während der Entstehungszeit aus sich selber. Als Vermittler dieses Werkes, aus dem unbewussten “Nichts” ein “Etwas” zu erschaffen, war ich beteiligter Handwerker an dieser Geburt. Das Gelingen eines solchen Unterfangens war nur möglich, weil ein unbegrenztes Vertrauen meiner Freunde und Auftraggeber die geistige Ebene darboten.

Eine schmale Öffnung führt in die Skulptur hinein. Ein Streiflicht erhellt den Innenraum. Rhythmische Kurven hüllen den Besucher ein, sie verführen zum Träumen in urmütterlicher Geborgenheit. Ein Blick aus dem Dämmerinnern ins Freie, gleitet durch Schilf, über den glatten Teich, der das Tageslicht spiegelt und an eine “Neugeburt” erinnert. Uroboros symbolisiert das selbstverschlingende und das selbstgebärende Prinzip. (Höhe ca. 4 Meter)

Die verschiedenen Materialien und Techniken in meinem Werk ergeben sich aus dem Bedürfnis, Impulse auszudrücken und dafür das geeignete Material zu finden. So entsteht kein Arbeitsstil, sondern ein Streben nach Sichtbarmachung von inneren Werten. Durch diese meine Wunscherfüllung und Selbsterforschung blieb ich Sammler eigener Werke; vieles, das nie in eine Ausstellung gepasst hätte, blieb und ist im Hause Verscio, vom Siebenjährigen bis heute vorhanden.

Einige Zeit verbrachte ich mit der Erstellung von Architekturlampen. Das damals allgemeine Dilemma, wie Licht in Innenräume zu bringen sei, ist vorerst ein architektonisches Problem. Die Kerze als Punktlicht im dunklen Raum oder der schattenlose total ausgeleuchtete Raum geben den Rahmen zum Arbeitsfeld. Licht und Raum interessierten mich für das eigene Haus. Ich bewohnte es doch noch im rustikalen Rohbau, ohne Installationen und Möbel. Es war ja früher als Destillerie aus dem Felsen gebrochen, mit Natursteinen am Wildbach aufgebaut worden und später als Abbruchobjekt, vergammelt und eingewachsen angeboten worden. Natürlich wollte ich Licht in diese Hülle bringen, nachdem ich die alte Anlage 1951 gekauft hatte und Fundamentarbeiten leistete. Ich nahm diesen Kauf mit jedem Handgriff von Minute zur Stunde und vom Tag bis zum Jahr in “Besitz”. Drei-, ja vierdimensional eroberte ich diese für mich neue Behausung in visionärer Schau meiner Zukunftsmöglichkeiten, was zwar als Zwölfjähriger schon in mir feststand, aber lange Zeit verhindert in mir moderte. Un Bildhauer wollte ich immer schon werden.

In diesem neuen Kleid, ein Arbeithaus, befasste ich mich mit Raum und Licht, vom “Dachlatten-Christbaum” bis zur handgemachten formgepflegten, raumproporzionierten Wand, sowie mit Hängeleuchten, mit nur zwei Baustoffen. Damals Filonplatten und Holzwürfel. Als Entwerfer und Installateur machte ich alles, was Höfe und Häuser brauchen konnte. Ich brachte mich einige Jahre damit durch. Die amerikanische Firma Filon wollte meine Entwürfe und alle Vorarbeit für diese Lampen in den USA bekannt machen. Sie, die Filon erhielt meine Bedingungen – und dabei blieb es.

Als Handarbeiter blieben die Folgen, der Sägestaub des Filons nicht aus. Das war im 1964, dass mich der Staub kränklich machte, vielmehr war es der süchtigmachende feine Geruch im ganzen Haus während Tag und Nacht. Nicht nur der Arzt, auch Verena drangen darauf, das Filon und Scobalit nicht mehr zu bearbeiten.

So stand Grundsätzliches auf dem Spiel. Wirtschaftlichkeit – Umschulung und Neueinrichtung des Arbeitsplatzes, aber vor allem – in welche Richtung sollen künftige Aktivitäten gerichtet werden. Mein alter Kinderwunsch im härtesten Stein Skulpturen zu hauen lebte auf. Eine breit angelegte Kunstausbildung und Kunstinformation waren mir präsent. Trotzdem stand ich vor Abschied und Neuanfang. In dieser Lage half Verena und unterstützte nicht nur das Austragen der Schwebelage im Übergangstadium; sondern setzte ganz auf den freien Durchbruch in die Kunst, ohne “Wenn und Aber” und ohne Risikospekulationen. Sie förderte meine schöpferische Phantasie, und so entschloss ich mich für das Material Kupfer.

Nun war es immer noch mein dringender Wunsch, die künstliche Lichtquelle auch in die Kupfergebilde zu verarbeiten und zur Wirkung zu bringen. Damit begann ein Ringen mit so entgegengesetzten Mitteln wie Metall und Licht. Damit gute Resultate zu erreichen, war die Aufforderung. Ich fühlte mich frei, das Kunststück zu wagen. Kindheitserinnerungen erwachten, wie z.B. gefiltertes Sonnenlicht im Walde, bei seligem Einschlummern und Erwachen. Die tausendfache Reflektierung des Lichtes in der Vegetation und die heilsame Wirkung auf mich wurden zu einer Grösse in meinem künstlerischen Schaffen. Ich formte Wandreliefe und Strukturen, montierte Lichter und farbige Gläser ein, perforierte ganze Flächen mit zeichnerischen Lichtpunkten. Solche spielerischen Ausdrucksmittel waren unerschöpflich, traumhaft und sehnsuchtsvoll. Sie nährten sich aus der Kindheitserfahrung in der Natur und prägten mein Mutterbild.

Bald meldeten sich Grössenansprüche und das Gestalten in den offenen Raum. Mit KupferRohren wurde mir das möglich.

Einige Angaben:

Elevatione in Stuttgart, Firma Bosch-Merkle, Planiz, Thomen Urmutter-P_ytia in Verscio

Schrei in Lübek – Dr. Greuel

Aurora in Arcegno, Arch. Renato Buzzini

Anna in Verscio

Uroboros in Bisikon – Dr. Eschmann

Mago versteigert

Lichthülsen in Wildegg – H. Feissli

Dynamis St. Gallen – E.und A. Grossenbacher Stiftung

Gen und Mago II Cadanza – Fam. Dimitri

Messifulgenti Uitikon-Zürich, Fritz Peter

Werke und Besitzer, die in diesem Text nicht vermerkt sind, figurieren in meiner Dokumentation.

Ein Neubeginn in meinem Werk ist der F.R.B.CUBO

Dass der Kubus im wesentlichen bereits erforscht sei und nichts neues aus ihm zu machen wäre, reizte mich, ihn zu zerstören. Bis an die Grenze des Verrückten betrieb ich ein Zerstörungsspiel und jeder Eingriff in den Kubus vervielfachte tausend Gestaltideen, die kaum zu bewältigen waren. Das Eingreifen in diesen festen Körper wurde mir zum Problem. Ich hätte Hallen füllen können, im Glaubem “Neuem” auf der Spur zu sein. Es galt zu verzichten und zu wählen, so nahm ich einen Kubus über alle Kanten ins Gebet. (Man hat das Poesie des Verzichts genannt!)

Ich entdeckte dabei geheimnisvolle Bezüge im Erspüren von Massen, Volumen und Formen. Nur sehend und tastend und ohne zu rechnen gewannen die drei Teile, die ich im Kubus fand, eine beziehungsreiche kombinatorische Grösse. Als Konstruktions-Bauelement konnte der CUBO FRB patentiert werden. Dieser CUBO erntete viel Anerkennung, wurde 1993 an der internationalen Messe – Ambiente – in Frankfurt ausgezeichnet und von der Firma Naef in Lizenz fabriziert, unter der Bezeichnung ZIJ 1′A.

An der Ausstellung in Zürich, Galerie Trittligasse, im 1993, diesmal mit Malereien von Verena zusammen und in meiner Ausstellung 1995 in Verscio, waren Objekte und Skulpturen aus dem dreiteiligen Kubus ausgiebig dargestellt. Trotzdem blieben die Anstrengungen um diesen dreiteiligen Cubo defizitär. Weitere Herstellungsmöglichkeiten z.B. in gebrannten Ton musste ich wegen Geldmangels liegen lassen. Bei der Kirche in Verscio steht die Komposition mit CUBO-Bauelementen aus Beton mit dem Namen UNITA. Fotobücher und diverse Objekte sind im Haus Verscio dokumentiert.

Im Kulturzentrum Beato Berno in Ascona 1983 stellte Verena Anderegg und ich zusammen aus. Die Malereien von Verena und die damals Konkreten Plastiken ergaben ein positives Gesamtbild unseres Schaffens. Ein grosses Gebilde im Freien war der Fulmine A<,zurro in Holz und der Lumilisk als 1:1 Modell, etwa 3 m Höhe.

Dieses Lumilisk Modell hatte die Firma AGIE in Losone in Aluminium 39 cm hoch mit Funkenerosion hergestellt und als Präzisions-Beispiel für ihre Zwecke in Deutschland präsentiert. Dieses Prunkstück in konkreter Form ist in meinem Besitz in Verscio und kontrastiert das buddhaähnliche Haupt, welches ich 14jährig in Tonerde modelliert hatte.

Die Galerie Strauhof der Stadt Zürich stellte Verenas Malereien und meine Plastiken und Konzepte aus. Herr Joe Lüber aus Basel und E.u.A. Grossenbachers aus St. Gallen waren Besteller von Konzepten. Die Durchführung der konkreten Plastiken beanspruchte Jahre. Grossenbachers Lumilisk steht heute in Beton gegossen an der Spinnereibrücke – eine Schenkung an die Stadt St. Gallen.

Mein Interesse an der konkreten Form wurde durch die Wettbewerbsarbeit Strada Na.-ionule S. Gottardo im 1981 geweckt. Die Modelleingabe Rytmo war im vierten Rang preisgekrönt worden. In der folgenden Zeit interessierten mich stereometrische Formen, aus denen verschiedenste Lumi.liske entstanden und entsprechende z.B. in Beton gegossene Bauelemente.

Mein Bedürfnis ist es, tief Empfundenes auszuformen und sichtbar zu machen – Impulse oder Inspirationen möglichst direkt zur Gestalt bringen zu können, Empfindungen mitzuteilen, die sich aus einer inneren Welt melden. Die Materialien zu finden, welche das Verwirklichen meiner Visionen ermöglichen.

Nach vielen Übungen im Giessen mit Gips realisierte ich in den Jahren (94-97) das Kunstharzgiessen, mit dem entsprechenden Negativschneiden der Form. Erwähnt sei hier eine Betrachtung von Carina Guttchen. Die Inspiration in geeignetem Material negativ vorzubilden, bedeutet als erster Schritt ein schöpferischer Akt. Als zweiter Schritt gilt es, durch das Ausgiessen der Negativform die Idee in die positive materielle Realität zu bringen. Also eine Geburt vom “Unsichtbaren” ins Sichtbare zu bewirken. Im Umwandlungsprozess liegt das fundamentale Ereignis, das auf allen Ebenen des Daseins erlebt und beobachtet werden kann.

Nochmals zurück in die frühen Malerjahre möchte ich noch einige Werke erwähnen: Wandmalerei im Hotel Reinhard, Melchsee Frutt mit dem Thema “Niklaus von der Flüe”. Spanisches Reisebüro, Talstrasse, Zürich eine Glasmalerei “Flamenco”. Eine Aussenwandmalerei bei der Firma Bohr AG in Meilen-Zürich.

Ferner erwarben B.u.S.Pastorini am Weinplatz in Zürich und in Dübendorf frühe Malereien aus Korsika und Spanien.

Als Nachbarn in Verscio haben A.u.R.Gobbi während Jahren Malereien, ein Kupferrelief mit Licht, kleinere Objekte und einer der grossen Lumiliske erworben.

Aguilas war daran sich zu verändern. Jahr für Jahr wird abgerissen und aufgebaut. Das frühere Stadtbild ist nicht mehr zu erkennen. Unmittelbar nach der Renovierung einer alten Mauer war nächstentags in den frischen Putz ein Scraffitto eingekratzt worden. Es ist kaum zu beschreiben, mit welchem Schwung und mit welcher Sicherheit die Putzoberfläche (ca. 180x600m) aufgekratzt worden war. Die Freude, den “Maurer-Himmel” zu zerstören, der toten und glatten Perfektion einen Streich zu spielen und ein Zeichen des Übermuts zu setzen, muss den jungen Täter mit Triumph und Siegesgefühlen belohnt haben. Und das alles mit einem Nagel in der Hand. Die Qualität dieses “Werks” sprang mich an. So wie die Qualität einer Skizze von Goya, welche noch heute demütige Verehrung in einer Künstlerseele hervorrufen kann.

brüderlin

Esposizione sperimentale

Skulpturen

von Friedrich Reinhard Brüderlin

In der Fondazione Clinica Varini in Orselina, Via Consiglio-Mezzano 38, stellt Brüderlin seine Monofusionen aus,

und zwar im Eingangsgeschoss und im 6.Stock in der Cafeteria und auf der grossen Terrasse.

Andere Künstlerinnen und Künstler, wie Diana Croci, Paola Piscia, Mariagrazia Zaccheo, Alma Pezzoli sind mit Bildern und Edgardo Gandolfi mit Fotografien auf den verschiedenen Stockwerken der Klinik ausgestellt.

Vernissage: Donnerstag, 8. Juni 2006 um 18.30 Uhr

Man müsste Schriftsteller sein, um die freie, komplizierte Form der Skulpturen von Friedrich Reinhard Brüderlin adäquat zu beschreiben, denn es ist schon so: Wie auch Malerei und Fotografie, ist gerade die Skulptur eine visuelle Kunst und sie muss betrachtet, gar ertastet werden, von allen Seiten und aus allen möglichen Blickwinkeln, um überhaupt den «unbeschreiblichen» Eindruck der Faszination, der Berührtheit erfassen zu können.

Was ist es, das diesen Künstler stetig «umtreibt»? Es ist seine Wandelbarkeit in der ureigensten Perzeption von Kunst, des schöpferischen Ausdrucks seiner Auffassung der Welt, er macht Tendenzen sichtbar, die jeder von uns in irgendeiner Form schon selbst erlebt hat.

Würde ich den Skulpturen einen Namen geben, er wäre «Aequivalenz» - das ist die Gleichwertigkeit der verschiedenen, zum Teil gegensätzlicher oder komplementärer Bedeutungen wie gut-böse, hell-dunkel, warm-kalt, rauh-glatt, aktiv-passiv und so weiter.

Brüderlin macht sich bei der Gestaltung seiner Monofusionen die Begriffe positiv-negativ, oder auch umgekehrt, zunutze und transponiert dabei einen Umwandlungsprozess, er macht das «Unsichtbare» sichtbar!

In den 90er Jahren begann Brüderlin in seinem Atelier in Verscio mit dem neuen Medium, der Technik des Kunstharzgiessens. Diese Technik hat er heute derart verfeinert, dass wunderbare, phantastische Skulpturen entstehen, einige davon wirken delikat, gar filigranartig. Er schneidet in den Werkstoff seine Form im Negativ, giesst diese Negativform in einem einzigen Guss aus, beim nachherigen Zerstören der Negativstruktur bildet sich die positive Skulptur heraus, eine Monofusion, ein Unikat. Als Betrachter weiss man wirklich nicht mehr, was innen, was aussen, was positiv, was negativ ist. Beide gestalterischen Aktivitäten erfordern ein ungewöhnliches Ausmass an spiegelbildlicher Vorstellungskraft und schöpferischem Können. Schon beim Schneiden der Negativform geht Brüderlin mit erfahrener Intuition ans Werk, immer schon die positive Skulptur vor dem inneren Auge. Positiv-Negativ – Negativ-Positiv – beide sind wichtig, – Aequivalenzen!

Die Skulpturen wiegen, da mit meist eingefärbten Kunstharz gegossen, wenig, sind also nicht so schwergewichtig wie z.B. Bronze. Natürlich hat das auch einen Einfluss auf die Verkaufspreise, ein Normalverdiener kann sich vielleicht eine solche, oft farbige Monofusion leisten, sie selber mitnehmen und aufstellen – er würde damit ein Unikat besitzen.

Ich kann mir nicht verkneifen zu sagen, Brüderlin ist ein junger Künstler, er probiert immer wieder neue Techniken, vertieft sich in neue Gestaltungsprinzipien und bringt sie zur meisterhaften Vollendung. Doch Brüderlin ist ein alter Künstler, alt und reich an erworbener Erfahrung und alt an Jahren, er wird demnächst 87. Ein alter, junger Künstler! (Carina Guttchen)

Mit der Beschreibung über “Qualität” in der Kunst ist noch nichts ausgesagt, und ebensowenig möchte ich in dieser meiner Schrift, über die Qualität meiner Werke etwas gesagt haben.

Friedrich Reinhard Brüderlin

BRIEF

Friedrich Reinhard Brüderlin

6653 Verscio

Care amiche e cari amici,

cari estimatori della mia opera,

Verscio, Novembre 2008

Qualcuno si sarä chiesto come se la passano Reinhard (Reini) Brüderlin e sua moglie, la pittrice Verena Anderegg, in quel di Versoio.

Eh, si siamo diventati vecchi e decrepiti. Dopo un soggiorno prolungato all’ospedale, ed in seguito in casa di cura, sono rientrato nella mia amata dimora, amorevolmente accudito dal profilo medico dal Dr. Rolando Erba. Non ci posso quasi credere e la cosa rasenta il miracolo: nonostante la salute cagionevole, sto vivendo il mio novantesimo anno. Un vero e proprio regalo!

Prendo lo spunto da questo dono per esprimere la mia riconoscenza, non solamente al destino che si e dimostrato cosi benevolo nei miei confronti, ma anche e di tutto cuore, a tutti i miei numerosi vicini ed amici che si sono prodigati per fornirmi aiuto e prezioso sostegno. Grazie!

Dipenderö anche in futuro dal loro aiuto, la mia cagionevolezza non mi permette, infatti, piü di perseguire e tradurre nella realtä le mie visioni artistiche. Rinunciare all’arte ä per me assolutamente impensabile, essa e il mio elisir di vita.

„L’arte ä una mediatrice

dell’inesprimibile”

J.W. Goethe (Massime e riflessioni)

Una delle visioni: da qualche tempo l’idea fantomatica di creare una “scultura trasparente° fluttua davanti al mio occhio interiore.Trasparenza, cosa significa? Senz’altro non una scultura realizzata con materiali trasparenti. No, intendo rendere visibili fenomeni nascosti ancor piü impenetrabili, che solo le minute vibrazioni degli impulsi possono essere in grado di percepire sismograficamente, fenomeni che appaiono dall’interno, dall’occulto della scultura, simili ad un danzatore che si protende ampiamente (positivo) sul palco con movimenti ritmici, solcando tutte le direzioni possibili nello spazio vuoto (negativo). Secondo me, quest’immagine metaforica rispecchia p.e. “trasparenza”. Immagine che coglie al contempo interioritä ed esterioritä, prima e dopo, luce ed ombra, positivo e negativo – una rappresentazione di strutture vitali. Un’altra metafora di “trasparenza” puö essere p.e. la trasformazione di un insetto dal bozzolo alla farfalla, passando dal bruco. Lasciamo che la farfalla voli via…!

Le numerose, e profondamente ponderate, sculture in piccolo formato degli ultimi anni sono giä pervase da questo fenomeno: il rendere visibile piü aspetti, che potrei anche chiamare metamorfosi.

E’ stato per me un’enorme sorpresa, costatare che i miei due amici Urs Moesch e Donat Walder, non solo avevano perfettamente capito I’atteggiamento fondamentale del mio desiderio ed individuato come si potevano superare le possibilitä materiali e le difficoltä ivi connesse, bensi avevano l’intenzione di mettere in piedi, o meglio sui piedestalli, una retrospettiva dedicata ai miei novant’anni dal titolo “Sguardo nei processi di lavorazione”.

Vorrei esprimer loro sin d’ora tutta la mia riconoscenza per l’idea e per la non certamente facile realizzazione. II Comune di Verscio ed altri partecipanti possono essere fieri ed io spero che anche voi siate curiosi di vedere la retrospettiva.

Noi ne siamo in ogni caso entusiästi, ed io me ne rallegro immensamente.

Con fiducia

DEUTSCH

Friedrich Reinhard Brüderlin Verscio, im November 2008 Stradon 82her, widerspiegelt für mich z.B. «Transparenz». Das gleichzeitige Erfassen von innen und aussen, von vorher und nachher, von Licht und Schatten, von positiv und negativ – eine Darstellung von lebendigen Strukturen. Ein weitere Metapher für «Transparenz» ist zum Beispiel der Entwicklungsweg eines Insekts vom Kokon über die Raupe bis zum Schmetterling. Lassen wir den Schmetterling fliegen….!

http://www.frbruederlin.com

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